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Το καλάθι μου

Konstantinos Kavafis .Das Gesamtwerk [Taschenbuch]

Κωδικός: 9783596142736
SKU: 1699678
ISBN: 9783596142736
Εκδότης: Fischer
Γλώσσα: Γερμανικά
Ημερομηνία έκδοσης: 1999
Σελίδες: 464
Neue Zürcher ZeitungIm schrägen Winkel zum UniversumDas Gesamtwerk des Konstantinos Kavafis (1863–1933)Von Ulrich M. SchmidDer enge Kreis der Kenner von Kavafis' lyrischem Werk weist einige illustre Namen ...
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Neue Zürcher Zeitung

Im schrägen Winkel zum Universum

Das Gesamtwerk des Konstantinos Kavafis (1863–1933)

Von Ulrich M. Schmid

Der enge Kreis der Kenner von Kavafis' lyrischem Werk weist einige illustre Namen auf: E. M. Forster bewunderte den aristokratischen Bohémien als «weisen, gebildeten» Analytiker dekadenter Bewusstseinslagen, Marguerite Yourcenar billigte ihm den Rang des «subtilsten, vielleicht auch neuartigsten» Dichters der neugriechischen Literatur zu, Joseph Brodsky schätzte an ihm jenen exquisiten Sprachgestus, der auf paradoxe Weise Knappheit mit höchster Sinnlichkeit verbindet. Seit kurzem liegt nun eine zweisprachige Ausgabe von Kavafis' Gesamtwerk vor.

Es zeugt von bemerkenswerter Konsequenz, dass Konstantin Kavafis' Körper es im Sommer 1932 vorzog, den eigenen Kehlkopf dem Krebsbefall auszusetzen und sich fortan überhaupt nicht mehr mündlich zum Weltgeschehen zu äussern. Den spärlichen Kontakt zur Aussenwelt wickelte der alternde Dichter über kleine Zettel ab, die er mit seinen Gesprächspartnern austauschte. In seinem letzten Lebensjahr las Kavafis nur Krimis; er hatte gerade Simenon entdeckt. Schliesslich schien ihm der eigene siebzigste Geburtstag eine gute Gelegenheit zu bieten, sich einigermassen stilsicher aus dieser Welt zu verabschieden – was Kavafis in den frühen Morgenstunden des 29. April 1933 auch tat.

Bereits vor dieser Krankheit zum Tode war das Leben des unscheinbaren Beamten der britischen Kolonialverwaltung in einer Ereignislosigkeit verlaufen, die Kavafis' wenig ambitionierten Erwartungen aufs genaueste entsprach. Konstantinos Kavafis wurde 1863 in Alexandrien geboren. Die morbide Aura der zerfallenden Kulturmetropole der Antike harmonierte in so hohem Masse mit der dekadenten Grundstimmung des Dichters, dass er seine Heimatstadt zeitlebens kaum verliess. In einem Gedicht aus dem Jahr 1910 gibt sich Kavafis poetische Rechenschaft über Alexandriens fatale Anziehungskraft:

Du wirst keine neuen Länder entdecken, keine

anderen Meere.

Die Stadt wird dir folgen.

Du wirst durch dieselben Strassen

Streifen, in denselben Vierteln alt werden.

Dein Haar wird weiss in denselben Häusern.

Wo immer du hinfährst, hier wird deine Reise enden.

Es gibt für dich kein Schiff und keine Strasse –

Gib die Hoffnung auf.

Hast du dein Leben auf diesem kleinen

Fleck vergeudet, so hast du es auf der ganzen Erde

vertan.

Die Stadt als Obsession – das ist nur eine Chiffre für ein endzeitliches Bewusstsein, dem der freie Wille bestenfalls als aufklärerisches Truggespenst, öfter aber als naiver Infantilismus gilt. Und Kavafis wusste sehr wohl um den magischen Bannkreis, der sein Leben auf die Schauplätze Büro, Bar und Bordell beschränkte. Gleichzeitig verfügte er aber auch über ein feines Sensorium für die ästhetischen Chancen, die sich in dieser eintönigen Existenz verbargen. Seine Wohnung, im ersten Stock über einem Haus der Liebe gelegen, erschien ihm ideal für einen Daseinsvollzug, der mehr mit Konkurs als mit Konkurrenz zu tun hatte. «Wo könnte ich besser leben?» bemerkte Kavafis einmal, «unten sorgt das Bordell für das Fleisch. Nebenan liegt die Kirche, welche die Sünden vergibt. Und schliesslich gibt es hier das Krankenhaus, wo wir sterben.»

Allerdings kam es bisweilen vor, dass sich Kavafis in seinem Büro der alexandrinischen Bewässerungsbehörde einschloss – und wer dann einen Blick durch das Schlüsselloch warf, konnte folgende Szene beobachten: Kavafis erhob seine Hände wie ein Schauspieler, ein seltsamer, ekstatischer Ausdruck erschien auf seinem Gesicht, dann beugte er sich nieder und schrieb eines jener Gedichte, die den Anbruch der literarischen Moderne in Griechenland markieren.

VORLÄUFIGKEIT

Obwohl sich Kavafis seines künstlerischen Ranges durchaus bewusst war, steht seine gesamte dichterische Produktion unter dem Zeichen des Vorläufigen. Erst nach seinem Tod erschien im Jahr 1935 ein schmaler Band mit 154 Gedichten, die der anspruchsvolle Dichter als sein Gesamtwerk anerkennen mochte. Zuvor hatte Kavafis seine Lyrik lediglich auf einzelnen Blättern als Privatdrucke verbreitet. Auf diese Weise entzog er seine Gedichte den Distributionsmechanismen des Buchmarkts und umgab sie mit einer Aura erlesener Exklusivität, die den Text nicht als Ware, sondern als Geschenk begreift.

Nicht ohne Kokettieren mit der eigenen künstlerischen Kompromisslosigkeit erläutert Kavafis in einer Notiz aus dem Jahr 1907 die ästhetischen Vorteile seines Vorgehens: «Wenn ein Autor ziemlich genau weiss, dass nur wenige Bände seines Werks gekauft werden, erhält er eine grosse Freiheit in seinem schöpferischen Tun. Ein Autor, der die Sicherheit oder zumindest die Wahrscheinlichkeit eines Verkaufserfolgs vor Augen hat, wird manchmal vom zukünftigen Verkauf beeinflusst – fast ohne es zu wollen und zu bemerken. Es wird Augenblicke geben, in denen er Opfer bringen wird, weil er weiss, was das Publikum denkt, was ihm gefällt und was es kauft – er wird das eine ein bisschen anders formulieren und das andere ganz weglassen. Es gibt aber nichts Zerstörerischeres für die Kunst (ich erzittere beim blossen Gedanken daran) als kleine Änderungen und Auslassungen.»

PHILOSOPHIE

Neben der Befreiung von der Gefahr der Kommerzialisierung wies das Drucken der feuilles volantes einen weiteren Vorteil auf: Einzelne Gedichte konnten mühelos entfernt, verbessert oder ersetzt werden. Kavafis bot dem Zwang zur Endgültigkeit, wie ihn eine Buchpublikation impliziert, erfolgreich die Stirn: In seinem Arbeitszimmer stapelten sich kalligraphisch beschriebene Arbeitsblätter; für jedes Gedicht ein Stapel, die jeweils favorisierte Version eines Gedichts lag obenauf. Auch der Druck eines Gedichts änderte nichts am Vorläufigkeitsstatus des Texts: Kavafis korrigierte einfach auf dem gedruckten Papier weiter und verwandelte es so zurück in ein Manuskript. Das ständige Überarbeiten, Streichen und Verwerfen ist für Kavafis' schonungslose Selbstkritik bezeichnend: Mit buchhalterischer Genauigkeit hat der Dichter seit 1904 den gültigen Kanon seiner Werke immer neu definiert. Dabei ging es Kavafis nicht um Vollständigkeit oder Repräsentativität, sondern allein um die Wahrung höchster literarischer Qualität. So umfasst im Jahr 1912 der Katalog für die eigene Dichtung der vergangenen neunzehn Jahre 202 Titel, während Kavafis im Jahr 1925 aus demselben Zeitraum nur noch gerade gut die Hälfte, nämlich 104 Gedichte, gelten lässt.

Kavafis selber hat seine Lyrik drei Bereichen zugeordnet: dem philosophischen, dem historischen und dem erotischen. Obwohl sich im Werk keine eindeutigen Schaffensperioden ausmachen lassen, kann man doch ein Überwiegen der philosophisch-historischen Thematik im reifen Schaffen beobachten, während das Spätwerk vermehrt das Erotische artikuliert. Kavafis' philosophisches Denken ist nie selbstreferentiell und kommt fast ohne abstrakte Begriffe aus. Die neuzeitliche Philosophie scheint fast spurlos an ihm vorübergegangen zu sein. Immer wieder bringen aber die philosophischen Gedichte die Zumutung der menschlichen Existenz zur Sprache und verweisen so auf eine Lebensweisheit, die dem Spätgeborenen eine Sinnalternative zur trostlosen Wirklichkeit anbietet.

Für einige Menschen kommt ein Tag,

An dem sie das grosse Ja oder das grosse Nein

Aussprechen müssen.

Es zeigt sich gleich,

Wer das Ja in sich schon bereit hat, und mit dem

Bekenntnis

Schreitet er voll Ehre und Überzeugung fort.

Derjenige, der ablehnt, bedauert es nicht.

Fragt man ihn erneut,

So wiederholt er sein Nein; obwohl das Nein –

gerade dieses Nein –

Ihn sein ganzes Leben lang niederdrückt.

Das Interessante an dieser Apologie des Verzichts liegt darin, dass Kavafis hier auf elegante Weise mit einer verbreiteten Deutung des Neins polemisiert. Das Gedicht führt im Titel ein verkürztes Dante-Zitat – «Che fece . . . il gran rifiuto» –, in dem der Einschub «aus Feigheit» fehlt. Im Original bezieht sich diese Stelle auf Celestinus V., der 1294 freiwillig das Papstamt niederlegte. Kavafis rechtfertigt den Verzicht aus mangelnder Zuversicht unter dem Hinweis auf das lebenslange Leiden, das solche Selbstbeschränkung nach sich zieht. Damit wird gerade das fehlende Kalkül des Verzichtenden zu seiner höchsten Auszeichnung. Man sollte Kavafis' philosophische Gedichte allerdings nicht als Handlungsanweisungen missverstehen. Es geht dem Dichter vielmehr um eine retrospektive Analyse dessen, was war. Sein philosophisches Staunen bezieht sich nicht auf die Phänomene dieser Welt, sondern auf die private Vergangenheit – das unbemerkte Verfliessen der Stunden wird dabei zum gültigen Analogon der unerfüllten Lebenszeit:

Halb eins. Die Zeit ist schnell vergangen

Seit neun Uhr, als ich meine Lampe anzündete,

Und seitdem ich hier sitze. Ich sitze, ohne zu lesen,

Ohne zu reden. Mit wem sollte ich reden,

Allein in diesem Haus? [–]

Halb eins. Wie die Zeit vergeht.

Halb eins. Wie die Jahre vergehen.

Geschichte

«Ich bin ein Dichter-Historiker. Ich bin unfähig, Romane oder Theaterstücke zu schreiben, aber innere Stimmen sagen mir, dass ich der Aufgabe des Historikers gewachsen wäre», konstatiert Kavafis selbstsicher. Allerdings vertritt Kavafis ein höchst eigentümliches Geschichtsverständnis: Es geht ihm nicht um eine möglichst breite Rekonstruktion der Vergangenheit, sondern um die Vergegenwärtigung einer bestimmten Situation, in der die historische Realität oft nur das Kolorit für ein psychologisches Dilemma abgibt. Die Geschichte trägt bei Kavafis immer ein menschliches Antlitz, sie verkörpert sich im Lebensschicksal und Charakter der historischen Akteure.

EROTIK

Unbestrittenermassen erreicht Kavafis' Lyrik einen Höhepunkt in den erotischen Gedichten. Gerade hier kann die modernistische Poetik des knappen Ausdrucks ihre höchste Überzeugungskraft entfalten. Kavafis beschränkt sich oft auf Momentaufnahmen, deren schwüle Wollust sich in der vagen Andeutung verbirgt:

Sein sympathisches Gesicht, blass,

Seine braunen Augen, müde,

Fünfundzwanzig Jahre alt, obwohl man ihn eher für

zwanzig halten würde,

Ein Hauch von Bohémien haftet seiner Kleidung an –

Irgend etwas an der Farbe der Krawatte,

an der Form des Kragens –,

ziellos geht er durch die Strasse,

Noch wie berauscht von der verbotenen Lust,

Von der streng verbotenen Lust, die er soeben

genossen.

Das gesellschaftliche Tabu, das die Männerliebe mit dem Gebot der Unsagbarkeit belegt, zwingt Kavafis dazu, seine erotischen Gedichte «deutlich zu verschleiern». Es ist aber gerade die viktorianische Moral des alexandrinischen Establishments, die es Kavafis erlaubt, den Genuss der verbotenen Liebe zur Vorschule der Ästhetik zu deklarieren. Erst das Bewusstsein der Sünde ermöglicht nämlich die Ausbildung jener Sprachkultur der Camouflage, der Anspielung und des Nicht-zu-Ende-Sprechens, die für Kavafis so bezeichnend ist:

Die Jahre meiner Jugend, mein wollüstiges Leben –

Wie klar ist mir jetzt ihre Bedeutung.

Wie sinnlos meine Reue und vergeblich –

Aber damals sah ich den Sinn nicht.

In den Ausschweifungen meiner Jugend

Lagen die Impulse meiner Dichtung,

Zeichneten sich die Umrisse meiner Kunst.

Kavafis' homoerotische Gedichte huldigen einem Kult des schönen Männerkörpers, der sich in einer fast fetischhaften Verehrung der Jugend äussert. Kaum einmal versäumt es Kavafis, das genaue Alter des Objekts seiner Faszination anzugeben, oft findet es sogar Eingang in den Titel des Gedichts: «Sein fünfundzwanzigstes Lebensjahr», «Bildnis eines Dreiundzwanzigjährigen, gemalt von seinem gleichaltrigen Freund», «Zwei junge Männer, zwischen 23 und 24 Jahre alt». Auch das Gegenstück dieses Jugendkults hat Kavafis in seiner Lyrik gestaltet: die Korruption der Schönheit durch das Alter. Nur wenige Mittel gegen solch fatale Vergänglichkeit nennt Kavafis: den frühen Tod, der das Bild des jungen Körpers in alle Ewigkeit konserviert, die Erinnerung, die auch dem alternden Dichter Momente höchster Erregung beschert, und die Kunst, die der Schönheit ihre strenge Form verleiht.

Zwei Eigenschaften sind es, die Kavafis' Lyrik zu einem veritablen Ereignis der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts werden lassen. Zum einen hat Kavafis mit seinem Plädoyer für einen präzisen, knappen Sprachausdruck («Das Adjektiv ist eine Schwäche. Die Kunst besteht darin, alles mit Substantiven wiederzugeben, und wenn ein Beiwort nötig ist, dann muss es genau passen») der modernen Poesie ein gültiges Stilideal vorgegeben, zum anderen markiert seine Lyrik die Geburtsstunde jener abgründigen Metaphysik des Weltverlusts, die beim Entstehen des Werks von Beckett, Kafka oder Camus Pate gestanden hat. Als unverkennbares Markenzeichen darf Kavafis jedoch jenen dekadent-ironischen Kammerton für sich beanspruchen, der noch im allgemeinen Absterben der Kultur den eigenen Sinnesgenuss zelebriert. Dass Kavafis' Poesie eine kosmische Perspektive eignet, hat E. M. Forster in seiner treffenden Charakterisierung auf die kürzeste Formel gebracht: «Ein griechischer Gentleman im schrägen Winkel zum Universum.»   -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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